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Nr. 1 / 2018
Kröpcke
Philosophie am Kröpcke

Was dürfen wir hoffen?

Philosophie – eine Wissenschaft im Elfenbeinturm? Weit gefehlt! Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover macht es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was der Mann (und die Frau) von der Straße von den philosophischen Inhalten, die im Institut erforscht werden, hält und weiß. Pünktlich zu jeder Ausgabe des Journals führen wir dementsprechend eine streng wissenschaftlich kontrollierte Studie durch: Wir schreiten zum Kröpcke, der Agora Hannovers, mit Digitalkamera und Aufnahmegerät bewaffnet, und stellen allen Passanten, die uns über den Weg laufen, dieselbe Frage. Auf den Spuren des Sokrates, aber bar jeder Ironie.

Von der vielfach artikulierten Perspektivlosigkeit einer saturierten Jugend, über das von populistischen Kräften ausgerufene Versagen der Politik, bis hin zum Appell zu einem als alternativlos präsentierten, an Technokratie und Effizienzkriterien orientierten gesellschaftspolitischen Realismus: Die Frage nach dem Sinn von Hoffnung scheint sich in Bezug auf unsere (gemeinsame) Zukunft heute wieder mit größerer Dringlichkeit zu stellen. Aber sind nun eine erhöhte Perspektivlosigkeit und Pessimismus eine angemessene Reaktion auf die Realität der Welt, oder zeigt sich gerade darin vielmehr die Notwendigkeit, in neuer Weise Hoffnung zu schöpfen?

Wir haben die Passanten am Kröpcke nach ihrer Haltung zur Hoffnung gefragt. Auszüge der geführten Gespräche lesen Sie hier.*

 

 

Tim: Vieles! Alles! Hoffentlich alles!

fiph: Warum?

Tim: Warum nicht? Wer würde das verbieten, was man hofft, oder was man denkt…?

fiph: Wenn man etwas hofft, was Auswirkungen auf andere hat, die weniger erfreulich sind? Darf ich das hoffen?

Karl: Ich denke, dass viele persönliche Hoffnungen auch ein Schaden für andere sind. Keine Ahnung, wir hoffen auf eine gute Stelle, und deshalb kann jemand anderes die Stelle nicht haben, der sie vielleicht viel mehr bräuchte. Man hofft auf persönlichen Reichtum, und persönlichen Reichtum erlangt man ja dadurch, dass man anderen eigentlich etwas wegnimmt. Man kann ja Nichts aus Nichts erzeugen.

Tim: Außer die Banken.

Karl: Aber das ist ja genau das: wenn du in der Bank arbeitest und hoffst reich zu werden, dann nimmst du ja jemand anderem das Geld weg.

Tim: Ich meine die Bank selber, die können theoretisch auch Geld machen.

Karl: Ja schon, aber irgendwoher muss es ja kommen.

 

Rudolf: Zufriedenheit und ein erfülltes Leben zum Beispiel? Gesundheit?

Max: Ich hab eigentlich ein schönes Leben; alles was ich brauche. Also ich brauch nicht mehr so unbedingt hoffen, aber … ja, immer gesund zu bleiben. 

 

Charlotte: Ich würde sagen, dass die Dinge, an die ich glaube, für die ich mir Mühe gebe… Also was darf ich hoffen, dass das sich verwirklicht, wofür ich mir Mühe gebe. Denn sonst hätte das vielleicht keinen Sinn, wenn ich nicht hoffen würde, dass sich das verwirklicht.

fiph: Wenn ich jetzt richtig verstehe, geht es schon auch um das Selbstbestärkende. Wenn ich etwas erreichen will, soll ich nicht von vorneherein schon denken, das klappt nicht.

Charlotte: Ja, beziehungsweise, da die Hoffnung nicht aufgeben, wo man irgendwie merkt, da ist was Richtiges dran.

fiph: Geht das schon so ein bisschen in die Richtung utopisches Denken?

Charlotte: Ja, auch, aber ich finde, was utopisch ist, ist nicht unbedingt unerreichbar, sondern der Schritt, den man macht, der ist ja ein Schritt hin zur Utopie, denke ich. Ich beziehe das jetzt auf bestimmte politische Kontexte, wo ich mir Mühe geben würde, also, Ideale, an die ich glaube.

 

Katrin: Allgemein darf man alles hoffen, was man will, und hoffentlich was Gutes für alle.

fiph: Und wie weit reicht diese Hoffnung? Auf Kant bezogen, also auf das Leben nach dem Tod, auf die große Utopie?

Katrin: Nö, auf ein gutes Leben für uns alle. Vielleicht hoffen, dass wir den Planeten nicht komplett zerstören. Das wäre meine Hoffnung.

fiph: Also schon mit gesellschaftlichem Bezug? Es gibt ja momentan einen gewissen Pessimismus, was die Zukunft angeht, wo eigentlich Hoffnung gar nicht mehr vorkommt, sondern nur noch der pure Realismus.

Katrin: Nein, ich bin auf Wanderschaft und ich bin sehr positiv denkend geworden, weil die Gesellschaft eigentlich ziemlich cool ist, und die Medien das aber immer so scheiße darstellen. Klar gibt’s viel Blödsinn auf der Welt, der grade läuft, aber wenn man sich mal umguckt: uns geht’s eigentlich mega-gut und alle sind relativ nett zueinander, wenn man auch nett zu dem anderen ist.

 

 

Gerhardt: Ich denke, was wir hoffen dürfen, ist vielleicht nicht so sehr etwas im Sinne von einem Happy End oder Erfolg oder ähnlichem. Ich glaube, was wir schon hoffen dürfen, ist, dass wenn wir uns an eine Sache machen, man redet ja immer von Projekten, wenn wir uns an diese Projekte machen, die in unserem Leben erfolgen, dass das für uns irgendwie Sinn hatte, vielleicht auch nur in dem Moment. Ich glaube, das dürfen wir hoffen. Ich denke, wir dürfen hoffen, dass letztendlich, wenn wir irgendwann auf die Geschichte der Menschheit zurückblicken, sie nachträglich betrachtet noch irgendwie Sinn ergibt.

 

Gerda: Auf Gesundheit. Danach ist sowieso Schluss.

fiph: Nichts darüber hinaus?

Gerda: Nein.

 

*Alle Namen sind frei erfunden.

Die Gespräche führten Agnes Wankmüller und Ana Honnacker.